Amtsgericht Gelsenkirchen:  Historie

 

Historie

Die Geschichte des Amtsgerichts Gelsenkirchen
Amtsgericht Gelsenkirchen 1879 1979 Amtsgericht Gelsenkirchen, Am Neumarkt 2,

Am 01. Oktober 1879 trat entsprechend § 1 des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetz vom 27. Januar 1877 Reichsgesetzblatt 77) das Gerichtsverfassungsgesetz in Kraft. Durch königlich-preußische Verordnung betreffend die Einrichtung von Amtsgerichten vom 26. Juli 1879 wurde neben den anderen preußischen Gerichten im Bezirk auch das Amtsgericht Gelsenkirchen errichtet. Dieses trug damals noch, wie eine Siegelmarke aus jener Zeit eindrucksvoll belegt, den Namen Königliches Amtsgericht Gelsenkirchen.

 

Das Amtsgericht Gelsenkirchen nahm am 01. Oktober 1879 seine Geschäfte auf und war besetzt mit vier Richtern, sechs Gerichtsschreibereibeamten, vier Kanzlisten, zwei Gerichtsvollziehern, einem Gerichtsdiener und zwei Gefängnisaufsehern. Bis zu diesem Zeitpunkt war für die Stadt Gelsenkirchen und die erst viel später eingegliederten Gemeinden Bismarck, Bulmke, Hüllen, Schalke, Heßler und Ückendorf das Gericht in Bochum zuständig, während die Gemeinde Rotthausen damals noch dem Gericht in Essen unterstand.

 

Im Eröffnungsjahr 1879 hatte Gelsenkirchen mit den umliegenden genannten Gemeinden rund 45.000 Gerichtseingesessene. Es ist daher begreiflich, dass die junge seit 1860 bestehende und seit 1875 mit dem Stadtrecht versehene westfälische Gemeinde nun auch einen eigenen Gerichtsstand für ihre Bürger haben wollte. Die wiederholten Bemühungen des damaligen Bürgermeisters Vattmann hatten erst Erfolg, als die Stadt sich verpflichtete, auf eigene Kosten ein Gerichts- und Gefängnisgebäude zu erstellen. Das Grundstück wurde am Neumarkt 2 gefunden und nachdem es zum Sitz eines Amtsgerichts bestimmt worden war, der Bau innerhalb eines einzigen Jahres, in einem für damalige Verhältnisse prächtigen gotischen Stil, errichtet.

 

Am 14. Oktober 1879 wurde erstmals in den Mauern unserer Stadt vor dem Schöffengericht "Im Namen des Königs" öffentlich Recht gesprochen. Es standen damals 15 "Polizeisachen" zur Verhandlung an. Den Vorsitz führte Amsgerichtsrat Dr. Rhöder, die beiden Schöffen stammten aus Schalke und Ückendorf, als Amtsanwalt erschien Bürgermeister Vattmann persönlich. Der erste Verurteilte war ein Bürger aus Bulmke, der ein Nest mit jungen Staren ausgenommen hatte und wegen dieser Untat einen Tag Haft und 3,00 Mark Geldstrafe erhielt. Im Übrigen waren die Gelsenkirchener damals stolz darauf, dass der erste Delinquent im Gefängnis am Neumarkt, dass nur 15 Plätze hatte, kein Hiesiger war, sondern ein Auswärtiger namens "Pott", der daraufhin dem Gelsenkirchener "Kittchen" jahrelang seinen entsprechenden Scherznamen gab

 

Im Laufe der nächsten drei Jahrzehnte verfünffachte sich die Bevölkerung, und 1909 wohnten in der "Stadt der tausend Feuer" bereits 245 000 Menschen. Entsprechend nahmen die Geschäfte des Amtsgerichts zu, die Zahl der Richter erhöhte sich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auf elf. Dadurch wurden die Räume in dem gotischen Stilbau am Neumarkt viel zu eng. 1894 musste schon das alte Rathaus in der Ahstraße dazu gemietet werden. Diese Notlösung zwang die Justizverwaltung zu neuen Verhandlungen mit der Stadt Gelsenkirchen wegen Bereitstellung eines neuen Grundstücks und Errichtung eines deutlich größeren Gerichts- und Gefängnisgebäudes, das schließlich in der damaligen verlängerten Ringstraße, heute Overwegstraße, in der Nachbarschaft des Evangelischen Krankenhauses gefunden und bereits im Juli 1897 in Bau genommen wurde.

 


Amtsgerich 1900 Amtsgericht 1900

Am 16. Juni 1900 wurde das neue Amtsgericht, das heute noch als "Altbau" in der Overwegstraße steht, seiner Bestimmung übergeben, außerdem gleichzeitig das dahinter neu errichtete Gerichtsgefängnis mit einem Fassungsvermögen für über einhundert Strafgefangene. Es hatte damals 720 861 Mark gekostet. Die heutige die Gefängnisfront einschließende und auf die Overwegstraße mündende "Munckelstraße" hat ihren Namen von dem damaligen aufsichtsführenden Richter des Amtsgerichts Gelsenkirchen erhalten, der sich um den Neubau des Amtsgerichts Gelsenkirchen besonders verdient gemacht hat.

 

Das alte Haus am Neumarkt 2, das an die Stadt zurückgegeben wurde und später den verschiedensten Zwecken gedient hat, musste schließlich 1949 dem großen Neubau der Stadtsparkasse weichen. Bei dem Abbruch kam die Grundsteinlegungskassette mit verschiedenen Dokumenten ans Tageslicht, aus denen sich vor allem die Freude wiederspiegelte, "nun nicht mehr den umständlichen Weg nach Bochum machen zu müssen". Der damalige Bürgermeister Vattmann hatte in einem der Dokumente vermerkt, dass "bei diesen schlechten, teuren und geldarmen Zeiten von dem sonst üblichen Brauch, Münzen einzulegen, abgesehen werden müsse", und er hatte zum Schluss folgenden Wunsch ausgesprochen: "Möge bei Öffnen dieser Büchse so viel Überfluss an großem Geld herrschen, als jetzt der Mangel an kleinem sich fühlbar macht, möge es so viele Zufriedene geben, als es jetzt unzufriedene sind, und mögen alle Hoffnungen auf bessere Zeiten in Erfüllung gehen."

 

1944 Zerstörung des Südflügels

Im letzten Krieg, und zwar erst im letzten Kriegsjahr 1944, wurde das Amtsgericht an der Overwegstraße von Bomben arg getroffen. Der völlig zerstörte Südflügel bildete viele Jahre eine hässliche Ruine. Fast die Hälfte der Diensträume fiel dadurch aus. Ihr Fehlen machte sich bei dem Wiederaufbau der Gelsenkirchener Justiz nach dem Krieg empfindlich bemerkbar. Verschiedene Abteilungen des Amtsgerichts mussten jahrelang im benachbarten Hans-Sachs-Haus untergebracht werden.


Amtsgericht ab 1958 Amtsgericht ab 1958

1958 Einzug in den auch heute noch sogenannten Neubau:

Erst zwölf Jahre nach der Zerstörung gelang es dem damaligen Leiter des Amtsgerichts, Amtsgerichts Direktor ten Hompek, den jetzt vorhandenen Neubau des Nordflügels durchzusetzen, der nach 1 1/2-jähriger Bauzeit im Sommer 1958 bezogen werden konnte. Es dauerte dann noch weitere 1 1/2 Jahre, ehe der zerstörte Südflügel des Altbaus begradigt und renoviert werden konnte.

 

2000 Vollausstattung mit Computern

Im Jahr 2000 ist jeder Arbeitsplatz im Amtsgericht mit einem PC versehen worden. Die Arbeitsplätze wurden untereinander vernetzt.

 

2002  Zentralisierung des Handelsregisters.

Durch neue Rechtsverordnung ist das Amtsgericht Gelsenkirchen zum zentralen Handelsregister für die Amtsgerichtsbezirke Gelsenkirchen, Gelsenkirchen-Buer, Dorsten, Gladbeck und Marl bestimmt worden.

 

2005 Internetauftritt des Amtsgerichts Gelsenkirchen

Seit dem Jahr 2005 verfügt das Amtsgericht Gelsenkirchen über eine Internetseite.

 

2005 Einführung des „elektronischen Grundbuchs“

Die Einführung des Computerprogramms SolumStar im Grundbuchamt ermöglicht es seit dem Jahre 2005 die Grundbücher elektronisch zu führen.

 

2010 Webauftritt des Amtsgerichts Gelsenkirchen barrierefrei

Der Internetauftritt des Amtsgerichts Gelsenkirchen ist durch die Umstellung auf das Content-Management-System jetzt barrierefrei.

 

2009/2011 Die Aufhebung des Amtsgerichts Gelsenkirchen-Buer ist beschlossen.

Die Aufhebung des Amtsgerichts Gelsenkirchen-Buer erfolgte zum 31.12.2015. (Zur Historie des Amtsgerichts Buer)

Ab dem 18. Januar 2016, beziehungsweise 25. Januar 2016, sind die Amtsgerichte Gelsenkirchen und Gelsenkirchen-Buer im Justizzentrum an der Bochumer Straße 79, 45886 Gelsenkirchen als Amtsgericht Gelsenkirchen untergebracht.

 



 

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